4 Olivenöle im Vergleich: Die Tricks der Hersteller – und wie Sie sich davor schützen
Mineralöl, Panscherei, Etikettenschwindel: Olivenöl gehört zu den zehn meistgefälschten Lebensmitteln weltweit. Die Methoden der Industrie sind vielfältig – und oft legal. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich schützen und welches Öl im Vergleich überzeugt.

Sie greifen im Supermarkt zu einem Olivenöl mit der Aufschrift "Nativ Extra" und zahlen dafür nicht wenig Geld. Sie erwarten Qualität, Frische, vielleicht sogar ein Stück mediterranes Lebensgefühl. Doch was Sie bekommen, ist oft etwas ganz anderes.
Immer wieder decken Untersuchungen auf, dass Verbraucher systematisch getäuscht werden. Von 19 getesteten Olivenölen der Kategorie "Nativ Extra" bewertete Öko-Test³ 16 mit "mangelhaft" oder "ungenügend". In 18 der Produkte fanden die Prüfer Rückstände von Mineralöl – Substanzen, die als potenziell krebserregend gelten. Im aktuellen Test der Stiftung Warentest¹ von Januar 2025 erhielten nur 7 von 25 Olivenölen die Note "gut". Drei Öle fielen komplett durch – sie rochen und schmeckten schlammig, modrig oder ranzig.
Besonders bitter: Während die Qualität vielerorts sinkt, haben sich die Preise in den letzten Jahren fast verdoppelt. Der Klimawandel führt zu schlechten Ernten im Mittelmeerraum – doch statt in Qualität zu investieren, greifen viele Hersteller zu fragwürdigen Methoden, um Kosten zu senken. Sie zahlen mehr und bekommen oft weniger.
Wie kommt es dazu? Viele Hersteller nutzen legale Schlupflöcher: Alte Öle werden mit neuen gemischt – das Gesetz verbietet das nicht. Oliven aus verschiedenen Ländern werden kombiniert, ohne dass Sie nachvollziehen können, woher sie wirklich stammen.
Die Verarbeitung dauert oft deutlich länger als bei Premium-Produkten. Das Gesetz erlaubt 24 Stunden zwischen Ernte und Pressung – Premium-Hersteller schaffen das in 4-12 Stunden. Jede Stunde mehr bedeutet Qualitätsverlust.
Auch bei der Presstemperatur gibt es große Unterschiede: Während das Gesetz bis zu 27°C erlaubt, pressen Premium-Hersteller bei nur 19-22°C. Jedes Grad weniger bewahrt mehr Aroma und Polyphenole.
Doch woran erkennt man wirklich gutes Olivenöl? Und welches passt zu den eigenen Vorlieben und Gewohnheiten?
Wir möchten Ihnen helfen, diese Fragen zu beantworten – ohne komplizierte Fachbegriffe und ohne dass Sie zum Olivenöl-Experten werden müssen.
Dafür zeigen wir Ihnen zum einen drei hervorragende Olivenöle, die wir bereits für Sie geprüft haben, und erklären Ihnen zum anderen, worauf es ankommt – damit Sie auch beim nächsten Einkauf selbst erkennen, was gute Qualität ausmacht.
So erkennen Sie echte Qualität
Das Gütesiegel "Nativ Extra" allein garantiert keine hohe Qualität. Es setzt lediglich voraus, dass der Säuregehalt unter 0,8 % liegt. Doch für echte Premium-Qualität braucht es mehr.
Checkliste: Darauf sollten Sie achten
Säuregrad unter 0,3 %
Zeigt, wie frisch die Oliven bei der Ernte waren. Gesetzlich erlaubt sind 0,8 %, Premium-Qualität liegt deutlich darunter.
Polyphenolwert über 500 mg/kg
Diese sekundären Pflanzenstoffe sind für Geschmack und gesundheitliche Wirkung verantwortlich. Ab 250 mg/kg gilt ein Öl als gut, ab 500 mg/kg als sehr gut. Die EU erlaubt einen offiziellen Health-Claim: "Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen." Nur etwa 5 % aller Olivenöle erfüllen die Voraussetzungen für diese Aussage.
Bitterkeit und Schärfe sind gewünscht
Was viele als Fehler interpretieren, ist ein Qualitätsmerkmal. Diese Noten entstehen durch Polyphenole – je ausgeprägter, desto wertvoller das Öl. Viele Menschen lehnen hochwertiges Olivenöl ab, weil sie nur fade oder ranzige Öle kennen. Die Bitterkeit wirkt dann ungewohnt – dabei ist sie ein Zeichen von Qualität.
Klare Herkunftsangaben
Achten Sie auf konkrete Regionen, Jahrgangsöle und Angabe der Olivensorte. Meiden Sie unklare Formulierungen wie "Mischung aus EU- und Nicht-EU-Ländern".
Öffentlich einsehbare Laborwerte
Seriöse Hersteller legen ihre Analysewerte offen. Transparenz schafft Vertrauen
Bei der Vielzahl an Produkten stellt sich die Frage: Wem können Sie vertrauen? Stiftung Warentest¹ ² und Ökotest³ prüfen nicht nur Laborwerte, sondern bewerten auch den Geschmack durch geschulte Sensorikexperten. Sie müssen nicht selbst zum Olivenöl-Experten werden – Sie können sich auf unabhängige Prüfer verlassen.
Wir haben vier bekannte Olivenöle verglichen und auf messbare Qualitätskriterien sowie Transparenz geprüft.
4 Olivenöle im direkten Vergleich
Wir haben getestet: Alle folgenden Öle erfüllen diese hohen Qualitätsstandards.
Jetzt geht es nur noch darum, welches Öl zu Ihrem Geschmack und Ihren Bedürfnissen passt.

Platz 1:
Cosmo di Russo "Caieta"
Herkunft:
Latium, Italien (Region Gaeta)
Güteklasse:
Nativ Extra
Säuregehalt:
0,16 %
Polyphenole:
552 mg/kg
Preis:
24,90 € / 500 ml (49,80 €/L)
Besonderheiten:
Testsieger Stiftung Warentest² 2024 mit der Gesamtnote 1,7 ("gut"). Die sensorische Qualität erhielt die Bestnote 1,0 ("sehr gut") – damit war es das geschmackvollste Olivenöl im Test. Die Familie di Russo kultiviert seit Generationen die sortenreine Itrana-Olive und erntet früh von Hand.
Geschmack:
Wer nur fade Supermarkt-Öle kennt, wird überrascht sein: Das Öl riecht intensiv nach frischen Kräutern. Der Geschmack ist fruchtig und lebendig, nicht flach oder neutral. Die leichte Bitterkeit und Schärfe sind kein Fehler – sie zeigen, dass hier wertvolle Polyphenole enthalten sind.
Transparenz:
Alle relevanten Informationen sind verfügbar – Herkunft, Olivensorte, Laborwerte. Der Säuregrad von 0,16 % liegt deutlich unter dem gesetzlichen Grenzwert von 0,8 %. Der Polyphenolwert von 552 mg/kg erfüllt den EU-Health-Claim für den Schutz der Blutfette.
Fazit:
Nachvollziehbare Qualität mit vollständiger Transparenz – und ein Geschmack, der den Unterschied macht.

Platz 2: Bertolli Natives Olivenöl Extra Originale
Herkunft:
EU und Drittländer
Güteklasse:
Nativ Extra
Säuregehalt:
0,3 %
Polyphenole:
Keine Angabe
Preis:
ca. 19,80 € / L
Besonderheiten:
Bekannte Marke mit großer Verbreitung in Deutschland. Stiftung Warentest¹ bewertet mit "befriedigend". Die Oliven stammen laut Hersteller aus Italien, Spanien, Peru und Chile. Verwendet werden die Olivensorten Picual, Arbequina und Hojiblanca – das Öl ist nicht sortenrein.
Geschmack:
Fruchtiger Geschmack mit leicht bitterer Schärfe im Abgang. Der Geschmack ist angenehm, erreicht aber nicht die Tiefe eines sortenreinen Premium-Öls.
Transparenz:
Der Säuregehalt von 0,3 % ist positiv und liegt im Premium-Bereich. Allerdings fehlen Angaben zu Polyphenolwert und Erntezeitpunkt. Die Herkunft aus verschiedenen Kontinenten macht es schwierig nachzuvollziehen, ob Öle unterschiedlicher Jahrgänge gemischt wurden.
Fazit:
Solide Durchschnittsqualität für den Alltag. Die fehlende Transparenz bei Herkunft und Laborwerten verhindert eine höhere Einordnung.

Platz 3: Filippo Berio Classic Olive Oil
Herkunft:
Keine genaue Angabe
Güteklasse:
Nativ Extra
Säuregehalt:
Keine Angabe (≤ 0,8 %)
Polyphenole:
Keine Angabe
Preis:
ca. 15,00 € / L
Besonderheiten:
Weit verbreitete Supermarkt-Marke im günstigen Preissegment. Angaben zu Herkunft, Olivensorte, Säuregehalt und Erntezeitpunkt fehlen.
Geschmack:
Neutraler Geschmack ohne ausgeprägte Fruchtigkeit. Das Öl riecht nur schwach und hinterlässt am Gaumen wenig Eindruck. Die für hochwertiges Olivenöl typische Bitterkeit und Schärfe sind kaum wahrnehmbar.
Transparenz:
Keine Angaben zu Herkunft, Erntezeitpunkt oder Laborwerten. Es lässt sich nicht nachvollziehen, woher die Oliven stammen oder wie das Öl verarbeitet wurde.
Fazit:
Günstiges Produkt für die einfache Küche. Wer Wert auf Geschmack und nachvollziehbare Qualität legt, wird hier nicht fündig.

Platz 4: La Española
Herkunft:
Spanien
Güteklasse:
Nativ Extra
Säuregehalt:
Keine Angabe (≤ 0,8 %)
Polyphenole:
Keine Angabe
Preis:
ca. 19,50 € / L
Besonderheiten:
Bekannte spanische Marke mit traditioneller Aufmachung. Stiftung Warentest¹ bewertet mit "mangelhaft" – bereits zum zweiten Mal in Folge. Der Hersteller verwendet verschiedene Olivensorten aus Spanien, das Öl ist nicht sortenrein.
Geschmack:
Im Test fiel der essigartige, muffige Geschmack auf. Dieser deutet auf Probleme bei der Lagerung oder Verarbeitung der Oliven hin.
Transparenz:
Angaben zu Säuregehalt, Polyphenolwert und Erntezeitpunkt fehlen. Die fehlende Transparenz in Kombination mit den Testergebnissen wirft Fragen zur Qualitätskontrolle auf.
Fazit:
Trotz des bekannten Namens und des mittleren Preissegments konnte dieses Öl im Test nicht überzeugen. Die Bewertung "mangelhaft" spricht für sich.
Fazit: Qualität ist messbar

Die Wahl des richtigen Olivenöls muss nicht kompliziert sein, wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen:
Verlassen Sie sich auf unabhängige Tests von Stiftung Warentest oder Ökotest
Achten Sie auf messbare Werte: Säuregrad unter 0,3 %, Polyphenole über 500 mg/kg
Fordern Sie Transparenz: Klare Herkunftsangaben, Jahrgangsöle, Olivensorte
Verstehen Sie den Geschmack: Bitterkeit und Schärfe sind Qualitätsmerkmale
Investieren Sie in Qualität – Ihr Gaumen und Ihre Gesundheit profitieren davon
Der Vergleich zeigt deutlich: Der Unterschied zwischen durchschnittlichen und herausragenden Olivenölen ist messbar und schmeckbar. Transparenz, nachvollziehbare Laborwerte und traditionelles Handwerk machen den Unterschied.
Gutes Olivenöl verwandelt einfache Gerichte in Geschmackserlebnisse – es ist mehr als eine Zutat, es ist ein Stück authentischer Mittelmeerkultur in Ihrer Küche.
Jetzt den Vergleichssieger entdecken
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Stiftung Warentest (Januar 2025). Olivenöl im Test: Preise runter, Qualität rauf. test.de. https://www.test.de/Olivenoel-im-Test-4971053-0/
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Stiftung Warentest (April 2024). Olivenöl im Test: So schmeckt der Klimawandel. test.de. https://www.test.de/Olivenoel-im-Test-4971053-0/
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ÖKO-Test (Mai 2022). Olivenöl im Test: Nahezu alle mit Mineralöl verunreinigt. oekotest.de. https://www.oekotest.de/essen-trinken/Olivenoel-im-Test-Nahezu-alle-mit-Mineraloel-verunreinigt_12637_1.html